Eine Gänseblume

Blümchen im Fokus – Tipps zur Blumenfotografie

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Bilder, Fotogrundwissen

Blümchen fotografieren! Das ist ja noch langweiliger als Briefmarken sammeln!
So könnte ich mich mal geäußert haben, als ich mich noch nicht mit Fotografie beschäftigte und 20 Jahre jünger war. Inzwischen bin ich etwas gesetzter und finde die Blumenfotografie gar nicht mehr langweilig.
Im Gegenteil! In einer Welt in der man nur noch funktionieren muss und alles immer „schnell, schnell“ zu gehen hat, ist gerade die Beschäftigung mit der Natur, ein wunderbarer Ausgleich um Abstand zu gewinnen. Dazu muss man nicht in die Ferne schweifen. Das funktioniert sogar im eigenen Garten, dem Balkon oder, wenn man beides nicht hat, im städtischen Park.

Die Farben und Formenvielfalt von Wildpflanzen, bis hin zu Garten- und  Balkonpflanzen ist gewaltig. Außerdem sind Blumen auch schön anzusehen. Nichts spektakuläres, sondern einfach nur… schön.

Die Beschäftigung mit der Frage „Wie setze ich eine Blume“ richtig ins Bild ist kniffeliger, als es im ersten Augenblick erscheint. Um Freude an den gemachten Bildern zu haben, sollten die Pflanzen schon ins rechte Licht gerückt werden. Ein unruhiger Hintergrund sollte möglichst vermieden werden. Auch sollte nicht zu viel im Bild sein, das vom Hauptmotiv ablenkt.

Ebenfalls muss man noch auf das richtige Licht achten, die passende Bildaufteilung und Perspektive finden. Hat mal irgendeiner behauptet, Blümchen fotografieren sei einfach?
Wenn ja … dann behaupte ich mal, derjenige hatte keine Ahnung! ;-)

Die angesprochenen Grundsätze scheinen, einzeln betrachtet, leicht umsetzbar zu sein. In ihrer Summe wird das jedoch schon schwieriger. Oft wachsen sehr viele Blumen dicht an dicht. Man will (bzw. sollte) nichts ausrupfen oder zertrampeln. Das kann einen bei der Wahl einer passenden Perspektive, schon ein wenig ausbremsen und vor gewisse Herausforderungen stellen.

Mittagsblumen haben z.B. zu einer Zeit ihre Blüten geöffnet, in der das Licht meist nicht optimal zum Fotografieren ist. Darum muss man zuweilen auch mit verschiedenen Hilfsmitteln improvisieren. Auf diese Hilfsmittel werde ich in diesem Artikel nicht eingehen. Auch nicht darauf, was man für Zubehör zur Blumenfotografie braucht oder auch nicht (es geht aber mit jeder Kamera!).

In diesem Artikel möchte ich versuchen grundsätzliche Aspekte zu beschreiben, die einem helfen können, schönere (Blumen-)Bilder zu machen.

Zu viel, zu unaufgeräumt, keine Bildgestaltung…

Fächerblume - Ein Beispiel wie man eher nicht fotografieren sollte

So sollte man Blumen eher nicht fotografieren.

Dieses Foto einer Fächerblume ist ein Negativbeispiel. Es ist viel auf dem Bild und der Hintergrund ist sehr unruhig. Der Betrachter weiß gar nicht so recht, wo er hinschauen soll. Es sind keine Details herausgearbeitet, welche die Blume interessant machen würden. Ein Haufen Farbkleckse sind hier zu sehen. Tja; und ich fand das Bild mal „gut“…

Konzentration auf das Motiv…

Eine Clematis mit viel zu viel Beiwerk im Bild

Schöne Blume! Aber was sollen die Steine da links?

Dieses Foto scheint schon ein wenig besser zu sein. Doch auch hier gibt es Verbesserungspotential. Der Hintergrund ist zwar gut zu sehen, er lenkt jedoch durch die recht einheitliche Farbgebung kaum ab. Wir haben hier sogar einen schönen Farbkontrast, zwischen der Wand und der kräftigen, violetten Farbe der Clematisblüte.

Aber was ist das links von der Blume? Die Steine und die Metallfüße einer Eisenkrähe (Ich weiß das, weil ich das Bild gemacht habe ;-) ) gehören eigentlich nicht mit ins Bild. Sie sagen nichts aus und haben mit der Blume auch gar nichts zu tun. Ein etwas wärmerer Farbton würde dem Bild sicher auch ganz gut stehen. Aber das Licht war halt zum Aufnahmezeitpunkt nicht so, dass einer entstehen konnte. Da hilft dann nur noch die Bildbearbeitung ;-) .

Auf störende Details achten und diese möglichst vermeiden…

Eine Clematis - Etwas besser fotografiert

Hier eine etwas bessere Aufnahme der Clematis.

Ich denke, so ist es ein bisschen besser. Das Bild konzentriert sich weitgehend auf die Blüte. Diese ist recht ordentlich freigestellt. Eine Überschneidung, mit dem noch gut erkennbaren Blatt im Hintergrund, wurde knapp vermieden. Eine weitere Verbesserung, wäre die Retusche des Blattstieles, im linken Hintergrundbereich des oberen Blütenblattes.

Evtl. stört der vordere, unscharfe Teil des Steins am unteren, rechten Bildrand und lenkt den Blick auf sich. Auch ist das Licht recht hart. Ein Umstand, den man beim Fotografieren berücksichtigen muss.

Ein etwas späterer Aufnahmezeitpunkt, mit einem tieferen Sonnenstand wäre evtl. besser gewesen. Nicht selten macht einem sogar ein bedeckter Himmel das Ablichten von Blumen einfacher. Ich glaube, für das richtige Licht gibt es keine Regel. Da hilft nur ausprobieren und seine Umgebung kennen lernen.

Dabei ist die eigene Beobachtungsgabe gefragt. Wenn man sich über einen längeren Zeitraum mit der Beobachtung seiner Umgebung beschäftigt, bekommt man ein Gefühl dafür, wann man die Kamera heraus holen kann und wann es eher wenig Sinn macht. Im Frühjahr und Sommer, sind der frühe Morgen, sowie der spätere Abend Zeiträume, in denen meistens passenderes Licht herrscht, als in den Mittagsstunden.

Bei Topf- oder Schnittblumen hat man es natürlich etwas einfacher. Diese kann man vor einem passenden Hintergrund positionieren und in einem geschlossenen Raum auch die Lichtbedingungen steuern.

Schärfe und Unschärfe als gestalterisches Element nutzen…

Eine Wasserpflanze - Die Blumenbinse

Auch nicht schlecht. Aber hier ist zu viel auf einer Schärfeebene.

Bei diesem Bild passt das Licht ziemlich gut. Der Hintergrund ist schön „diffus“. Die unscharfen, gerade noch erkennbaren Knospen geben eine Andeutung davon, dass es sich insgesamt um eine größere Doldenblüte handelt. Alles richtig?

Nee… meiner Meinung nach, nicht so ganz. Hier liegt die Schärfe auf zwei Blüten gleichzeitig. Die Konzentration auf eine (scharfe) Blüte ist in der Regel eine bessere Option. Der Betrachter wird klar geführt und er kann das Bild besser erfassen. Es wirkt einfach gefälliger.

Rechts im Bild, ragt ein Blütenblatt, von der hinteren Blüte, störend in den Vordergrund. Es wäre besser gewesen, das Blütenblatt vor der Aufnahme anders zu arrangieren und diese Überschneidung zu vermeiden.

Was für die Blumenfotografie sonst noch wichtig ist…

Blumenbinse - Mit Konzentration auf eine Blüte fotografiert.

Konzentration auf eine Blüte

In diesem Fall wurde die Schärfe auf eine Blüte gelegt. Dadurch kann der Blick auf dem Bild ruhen die „Hauptsache“ ist klar und der Betrachter muss nicht suchen, sondern kann sich ganz auf das Motiv konzentrieren. Auch hier gibt es sicher noch das ein oder andere zu kritteln, jedoch im Vergleich zum Eingangs gezeigten Bildbeispiel dieses Artikels, ist dieses Bild einer Blumenbinsenblüte um längen besser.

Natürlich gelten für die Blumenfotografie, neben den von mir bisher aufgeführten Aspekten, die gleichen Gestaltungsregeln wie für andere Bilder auch. So ist es sicher nicht hilfreich, das Motiv immer genau in die Bildmitte zu platzieren (obwohl das auch mal passend sein kann) und sog. Drittelregel sollte man im Hinterkopf behalten. Ebenso sind aufsteigende Diagonalen im Bild, oft ein gutes Stilmittel.

Wichtig ist auch, dass man nicht immer nur von oben herab fotografiert, sondern unterschiedliche Perspektiven ausprobiert. Auch wenn das evtl. mal unbequem wird und man sich auf den Boden legen muss, um die Froschperspektive auszuprobieren. Aber das kann sich lohnen. Vor lauter Gestaltungsregeln, sollte man jedoch die eigene Intuition nicht vergessen. Letztendlich müssen einem die eigenen Bilder selbst gefallen. Zumindest dann, wenn man das Fotografieren als Hobby betreibt.

Ich bin ja auch noch am üben… Aber vielleicht gefällt Dir meine kleine (sicher noch wachsende) Blumengalerie ja trotzdem:

4 Kommentare

  1. Wow, ich habe noch keinen so detaillierten Artikel über Blümchen Fotografie gefunden. Ich muss zugeben, dass ich das bisher auch nicht so spannend fand, aber nach deinem Artikel muss ich das doch direkt noch mal ausprobieren und vielleicht ganz neue Seiten dabei entdecken. :)

  2. Hallo Kai,

    das macht richtig Freude sich durch deine Tipps zu lesen! Das mit den Blümchen und der Langeweile habe ich auch gerade erst behauptet, ohne zu wissen, warum eigentlich!? Dabei es ist vielmehr eine Herausforderung es richtig zu tun. Wenn ich deine Tipps auf meine eigenen Bilder übertrage (insbesondere die, welche auf meiner Festplatte in Frieden ruhen), dann habe ich noch eine Menge falsch gemacht. Dafür ist es umso erfreulicher, wenn man etwas lernen kann. :) Danke für deine Zeilen!

    LG
    Petra S.

  3. Hallo Kai,
    habe Deinen Artikel über die Blumenfotografie gelesen. Sehr schön wie Du Deine Erfahrungen von
    Beginn bis Jetzt beschrieben hast und die jeweiligen Bilder kommentierst. Danke für Deine wertvollen Tipps…..d.h. für mich …üben, üben..

    Lg Dagmar

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