Blitzen - Yongnuo 560 Mark IV

Chinaböller zum entfesselten Blitzen

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Allgemein, Fotogrundwissen, Fototechnik, Video

Im Winter, der dunklen Jahreszeit, ist das Wetter nicht selten schlecht und die Lust, zum Fotografieren nach draußen zu gehen, meist eher gering. Was liegt da näher, als sich in der warmen Stube einmal mit dem entfesselten Blitzen zu beschäftigen und etwas Licht ins Dunkel zu bringen?
Dazu benötigt man jedoch, neben einer Kamera, erst einmal etwas Ausrüstung. Allerdings gibt es ein riesiges Angebot an Blitzen und Zubehör und es ist gar nicht so einfach herauszufinden, welche Dinge für den Anfang wirklich notwendig sind.

Ich möchte in diesem Artikel ein paar „Grundkomponenten“ vorstellen, die ich mir zum Einstieg in dieses interessante Thema ausgesucht habe.

Es werden im Handel Studioblitz-Sets angeboten, die reichlich Zubehör mitbringen und schon jede Menge zu bieten haben. Preislich gehen diese Sets bei ca. 250,- € los. Ich wollte es noch etwas billiger, mobiler und vor allem platzsparender haben. Durch ein Video zum Thema „entfesseltes Blitzen“, auf der Fotoschnack Seite (siehe am Ende dieses Artikels) habe ich gelernt, dass man mit recht einfachen Mitteln schon sehr viel erreichen kann.

Für den Anfang reicht erst einmal folgendes Equipment:

  •  ein Aufsteckblitz
  • ein Funkauslöser (nicht unbedingt notwendig aber flexibler)
  •  ein Schirmneiger
  •  ein Durchlichtschirm
  •  ein Stativ (Lampen- oder Kamerastativ)

Um einen Blitz entfesselt auszulösen, sind zwei Modi üblich. Eine Möglichkeit sind Funkwellen. Dazu braucht man einen Sender auf der Kamera und einen Empfänger für den Blitz. Die zweite Möglichkeit ist Licht.
Der auf der Kamera aufgesetzte Blitz ist der Masterblitz, welcher beim Auslösen der Kamera mit seinem Lichtimpuls einen weiteren, im sog. Slavemodus befindlichen Blitz, auslöst. Das funktioniert auch mit mehr als einem Slaveblitz. Dabei dürfen jedoch keine lichtundurchlässigen Hindernisse zwischen Master- und Slaveblitzen vorhanden sein.

Als erstes habe ich mich auf die Suche nach einem Aufsteckblitz gemacht. Da es um manuelles, entfesseltes Blitzen geht, muss das auch kein teurer, zur Kamera passender Systemblitz sein. Ausgesucht habe ich mir ein Gerät des chinesischen Herstellers Yongnuo. Es handelt sich um den Yongnuo YN560 IV 2.4GHZ Blitz Speedlite (Wireless Transceiver Integriert) für Canon, Nikon, Panasonic, Pentax Kameras (funktioniert manuell auch an Olympus Kameras ).

Der Blitz ist mit einer Leitzahl von 56 bei ISO 100 und 105 mm Reflektorzoom [@KB] angegeben. Das ist für Portraitaufnahmen oder Tabletop Fotografie dicke ausreichend. Außerdem hat der Blitz eine Stroboskopfunktion, sowie einen integrierten Funkauslöser und kann somit als Master für mehrere Blitze eingesetzt werden. Er kann aber genau so gut als Empfänger konfiguriert werden. Normaler Slavebetrieb mit IR Auslösung funktioniert ebenfalls. Der Blitz hat 69,99 € gekostet. Vorgängermodelle, mit und ohne Transceiver, sind noch günstiger zu haben.

Blitzen mit Durchlichtschirm

Yongnuo YN560 Mark IV 2.4GHZ Blitz

Weil die Yongnuo Blitze u.a. auch in einem Slave Modus betrieben werden können, ist ein Funkempfänger/Sender nicht zwingend notwendig. Viele moderne Kameras bringen einen eingebauten Blitz oder einen mitgelieferten Aufsteckblitz mit, der mit seinem Lichtimpuls andere Blitze auslösen kann. Der mit den Olympus OM-D Kameras mitgelieferte Aufsteckblitz (FL-LM2)  kann das. Allerdings sind Funkempfänger/Sender flexibler, weil sie über weitere Entfernungen funktionieren und keinen direkten Sichtkontakt brauchen.

Blitzabdeckung IR Filter

Klemmt man etwas nicht belichteten aber entwickelten Negativfilm vor den Kamerablitz, wird dessen Licht nicht bildwirksam, der Slave Blitz aber dennoch ausgelöst.

Weil der Blitz schon einen Funkempfänger/Sender eingebaut hat, habe ich mir als Sender den Yongnuo YN560-TX Wireless Flash Controller gleich mit besorgt.  Bei Olympus Kameras ist es egal, ob man hier eine Canon oder eine Nikon Variante bestellt. Es funktionieren beide. Dieses, nicht ganz so kleine Gerät, wird in den Blitzschuh der Kamera gesteckt und zündet beim betätigen des Auslösers den/die Blitz(e) per Funksignal. Man kann damit aber nicht nur per Funk zünden, sondern auch sämtliche Einstellungsparameter der/des Blitze(s) anpassen. Außerdem funktioniert damit die Steuerung von bis zu sechs Blitzgruppen, denen wiederum mehrere Blitze zugeordnet sein können. Das Gerät hat 37,17 € gekostet.

Yongnuo YN560-TX Wireless Flash Controller

Yongnuo YN560-TX Wireless Flash Controller

Etwas günstiger geht es an einer OM-D auch mit einem RF 600 TX Sender, der im Set mit einem RF 602 Empfängermodul erhältlich ist. Das kostet um die 26,- €. Den Empfänger braucht man bei dem hier vorgestellten Blitzgerät eigentlich nicht. Er ist nur für Blitze ohne integrierten Empfänger notwendig. Für den 600 TX Sender muss der YN 560 Mark III und Mark IV in der Funkfrequenz von 603 auf 602 umgestellt werden. Sehr viele weitergehende Informationen bezüglich der Yongnuo Blitze, gibt es auch auf der „Blitz Blog Seite„. Für Nutzer von Olympuskameras ist es wichtig zu wissen, dass das ebenfalls angebotene und neuere Transceiver Set RF603 I im Gegensatz zur noch neueren RF603CII Variante nicht funktioniert.

Nachdem das „elektronische“ abgehandelt war, habe ich mich nach einem Schirmneiger umgeschaut. Ursprünglich wollte ich mir den Manfrotto Schirmneiger MA26 besorgen. Schlussendlich habe ich mich aber für den Phottix Varos II BG entschieden. Folgende Gründe waren dafür ausschlaggebend:

  • Der Phottix Neiger war günstiger (22,90 € statt 31,37 €)
  • Die Blitzhalterung wird bei dem Phottix gleich mitgeliefert, beim Manfrotto muss diese separat erstanden werden.
  • Das Neigegelenk ist im Gegensatz zum Manfrotto gerastert und nicht glatt. Darum muss man den Gelenkspanner nicht so fest „anknallen“ und der Schirm klappt nicht so leicht um.
  • Der Neiger ist ebenfalls sehr robust gebaut.

Der Phottix Varos II BG kann auf 1/4″, 3/8″ Gewinde oder einem 5/8″ Spigot befestigt werden. Dadurch kann er auf einem Lampen- aber auch, wie im folgenden Bild zu sehen, auf einem normalen Kamerastativ montiert werden.

Phottix Schirmneiger

Schirmneiger Varos II BG von Phottix

Zu guter Letzt, habe ich mir für 31,68 € einen Westcott 2in1 Durchlichtschirm (Satin Weiß) mit 43″ Durchmesser (109 cm), inklusive einem abnehmbaren, schwarzen Überzug ausgesucht. Mit dem Überzug, kann der Schirm als Reflektor verwendet werden, ohne den schwarzen Stoff, als Durchlichtschirm. Es gibt auch günstigere Varianten von anderen Herstellern, wie z.B. Walimex oder Delamax. Dass ich diesen und keinen billigeren Schirm im Onlinehandel erworben habe, war so ein bisschen eine Bauchentscheidung. Da der Schirm auf- und zugeklappt, der Überzug an- und abgepfriemelt wird, muss so ein Schirm auch ein bisschen was aushalten. Ich bin davon ausgegangen, dass der teurere Schirm qualitativ etwas besser ist. Das muss aber durchaus nicht der Fall sein. Der Westcott Schirm macht aber einen stabilen, gut verarbeiteten Eindruck und scheint seinen Preis auch Wert zu sein.

Es gibt Schirme mit unterschiedlichen Durchmessern. Je größer ein Schirm ist, desto mehr wird das Licht gestreut, was das Licht weicher macht und harte Schatten vermindert. Nach meiner Recherche im Internet, handelt es sich bei Schirmen mit etwa einem Meter Durchmesser um eine mittlere Größe. Es werden sowohl kleinere Schirme von ca. 70-90 cm, als auch größere um die 1,5 bis 1,8 Meter angeboten. Für meine Zwecke hielt ich die 1,09 Meter Durchmesser für angemessen.

Damit war mein „Starterkit“ zusammen gestellt. Insgesamt hat mich diese Ausrüstung genau 161,74 € gekostet. Greift man auf etwas ältere Modelle aus der Yongnuo Serie zurück, lassen sich grob geschätzt noch einmal in etwa gute 40 € einsparen. Weil ich mehr als ein Kamera-Stativ besitze, habe ich erst einmal von der Anschaffung eines Lampenstativs abgesehen. Wenn man Höhen jenseits der ca.1,80 m braucht oder als Zweitstativ nur ein Reisestativ von relativ geringer Höhe hat, wird man evtl. ein Lampenstativ benötigen. Diese gibt es ab ca. 25,- €- 30,- € im Handel.

Im Vergleich zu den Preisen für Blitzgeräte aus dem Zubehörsortiment der großen Kamerahersteller, erscheint mir diese Zusammenstellung als sehr günstig und durchaus ausbaufähig. Sämtliche Komponenten machen einen wertigen Eindruck. Ob sie lange durchhalten, wird sich aber erst noch zeigen. Will man sämtliche, ausgefeilte Blitzmethoden nutzen, welche die modernen Kameras bieten (TTL Blitzen usw.), wird man eventuell doch eher auf höherwertige Blitze des Kamerherstellers oder z.B. Metz Blitze zurückgreifen. Die kosten zwar mehr, aber dafür hat man auch einen Service und erhält eine, an die Kamera angepasste, Technik. Immer nur „billig, billig“ ist auch nicht gut.

Mit der hier vorgestellten Zusammenstellung, hat man eine günstige Möglichkeit, in die Blitz- und Lichttechnik hinein zu schnuppern. Wenn man mehr möchte, kann man immer noch hochwertiger und „teurer“ einsteigen. Stellt sich heraus, dass man dieses Equipment nicht oft braucht oder die Lust daran verliert, hat man wenigstens nicht so sehr viel Geld „in den Sand gesetzt“.

Nachdem ich alles zusammen hatte, habe ich natürlich gleich herumprobiert. Nach den ersten Versuchen, bin ich schon mal ganz zufrieden.

Portraitfoto

Grübel, Grübel… Es fehlt noch ein ordentlicher Hintergrund.

Alles passt gut zusammen und funktioniert einwandfrei.
Einen Hinweis habe ich aber noch. Man sollte etwas englisch beherrschen oder jemanden kennen, der es kann. Die Bedienungsanleitungen zu den Yongnuo Geräten sind ausschließlich in chinesisch und englisch abgefasst. Wer sich mit den Blitzen nicht auskennt (z.B. Frequenzeinstellung o.ä.) wird die Hinweise der Anleitung brauchen. Eine Übersetzung in Deutsch gibt es hier. Es handelt sich jedoch um eine Anleitung für ein älteres Blitzmodell.

Zum Abschluss, habe ich noch das Eingangs erwähnte Video eingebettet, das mich dazu gebracht hat „das mit dem Blitzen“ auch mal auszuprobieren. Es werden einige Grundlagen sehr anschaulich erklärt. Viel Spaß beim Anschauen.

Einstieg in die Blitztechnik (einfache Grundausstattung):

Ein weiteres (sehr ausführliches) Tutorial zum Thema Blitzen:

6 Kommentare

  1. Interessanter Artikel, den Yongnuo YN560 habe ich auch, was mir noch fehlt, ist ein Schirmneiger. Nach dem ich Deinen Artikel gelesen habe, wird es wohl der Phottix Neiger. Vielen Dank für den Tipp.

    LG Jürgen

  2. Ein sehr guter Beitrag. Ich verstehe nicht wirklich, warum man beim Aufsteckblitz einen Funkauflöser braucht, wenn man diesen z.B. mit der Kamera verwendet? Ich habe bisher ausschließlich draußen bei ausreichend Licht fotografiert.

  3. Hallo Andreas,

    solange Du rein manuell einstellst, dann funktioniert das Equipment auch an Olympuskameras. TTL-Blitze von Yongnuo gibt es, meines Wissens nach, nur für Canon und Nikon.

    Was auch nicht geht ist die Stoboskopfunktion, weil wohl nur der Auslösezeitpunkt aber nicht die Auslösedauer übertragen wird.

    Braucht man die Stroboskopfunktion nicht und kommt mit manueller Einstellung klar, funktioniert alles sehr gut.

    Gruß Kai

  4. Spiele schon längere Zeit mit dem Gedanken, mir ein Paar der Yongnuos (YONGNUO YN560 IV) plus den Funkauslöser (Yongnuo YN560-TX) für meine Nikon zu kaufen. Einsatzgebiet wären bei mir Hochzeiten, wo ich schön extern Blitzen kann (zB bei der Hochzeitsfeier). Jetzt zu lesen, dass das auch noch an meiner Olympus laufen wird, ist natürlich noch ein Kaufargument mehr, das hat mir noch gefehlt. Jetzt kann ich noch mal meine Einkaufsliste abgleichen, ob ich auch wirklich alles habe.

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