Fisch II

Herausforderung Aquarium

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Bilder, Fotogrundwissen

Wer möchte nicht gerne beim Besuch eines Aquariums, die vorhandene Vielfalt an Motiven und Farben fotografisch festhalten? Beim Anschauen der Bilder erlebt man jedoch nicht selten, eine große Enttäuschung. Oft sind sie unscharf, im wahrsten Sinne des Wortes verschwommen oder die Farben stimmen nicht. Die Schwierigkeiten, mit denen man beim Fotografieren im Aquarium zu kämpfen hat, sind vielfältig. Trotzdem sollte man die Flinte nicht ins Korn werfen. Beachtet man ein paar Dinge, können durchaus passable Bilder entstehen.

Was das Fotografieren im Aquarium so schwer macht:

  • Wenig Licht. In den Aquarien herrschen in der Regel Dämmerlichtbedingungen. Fische haben keine Augenlieder und können deshalb die Augen nicht „zukneifen“ wie ein Mensch. Darum ist direktes, helles Licht ist für die meisten Wasserbewohner auf Dauer schädlich. Aus diesem Grund sind die (für die Meeresbewohner günstigen) Lichtbedingungen oft sehr schlecht zum Fotografieren.
  • Bewegung.  Fische halten selten lange still. Es sei denn, sie sind tot. Das macht es natürlich schwieriger, sie scharf ins Bild zu bekommen. Ganz besonders, bei wenig vorhandenem Licht.
  • Künstliches Licht. Die häufigste Lichtquelle in Aquarien ist Kunstlicht, nicht selten auch farbige Lampen. Das kann zu verfälschten Farben auf den Fotos führen.
  • Spiegelungen. In einem Aquarium befindet sich zwischen dem Fotografen und dem Motiv normalerweise Glas… logisch! Das hat jedoch die unangenehme Eigenschaft zu spiegeln. Lichtspiegelungen, Spiegelbilder von einem selbst oder von Besuchern, können deshalb unbeabsichtigt mit ins Bild gelangen.
  • Schmutz und Kratzer. Leider ist das Glas der Aquariumbecken nicht immer hundertprozentig sauber und teilweise auch verkratzt.

Das ist eine recht lange Liste. Was braucht man nun, um dennoch gute Bilder zu bekommen?

Vor allem, ein lichtstarkes Objektiv! Je lichtstärker es ist, desto besser. Das hilft dabei, kurze Verschlusszeiten zu bekommen. Die sind notwendig, um Unschärfen durch Verwacklungen und die Bewegung der Fische zu vermeiden bzw. zu minimieren. Der Einsatz von Blitzlicht ist in Aquarien untersagt. Wie schon erwähnt, haben Fische keine Augenlieder und sind deshalb sehr empfindlich bei direktem, sehr hellem Licht. Darum sollte man dieses Verbot auch beherzigen. Benutzt man ein Teleobjektiv ohne durchgängig gleiche Lichtstärke ist es ratsam, sich je nach den gegebenen Bedingungen, mit dem unteren, lichtstärkeren Brennweitenbereich zu begnügen.

Es gibt eine Faustregel, nach der die notwendige Verschlusszeit für verwacklungsfreie Bilder (ohne Stativ) berechnet werden kann. Die Verschlusszeit ist dabei von der eingesetzten Brennweite abhängig. Diese lautet:
1 / (Brennweite in mm x Cropfaktor).
Der Cropfaktor (CF) ergibt sich aus der Sensorgröße im Verhältnis zu einem Vollformatsensor.
Bei einer APS-C Kamera beträgt dieser je nach Hersteller 1,5 oder 1,6. MFT Kameras haben einen CF von 2,0 und Kompaktkameras mit 1/1,7″ Sensor sogar einen von 4,7.
Hat eine Kamera einen CF von 1,6 und es wird eine Brennweite von 50mm verwendet, beträgt die mindestens notwendige Verschlusszeit z.B.
1 / (50mm x 1,6) = 1/80 Sekunden. Die Wirkung eines Bildstabilisators ist hier nicht berücksichtigt. Durch ihn, kann die Verschlusszeit etwas verlängert werden.

Die notwendige, minimale Belichtungszeit, liegt bei etwa 1/30el bis 1/60el Sekunden (einen guten Bildstabilisator und sehr langsame, bis gar keine Bewegung der Fische vorausgesetzt). Je größer die benutzte Brennweite ist, desto kürzer ist die notwendige Verschlusszeit, damit eigene Verwacklungen nicht bildwirksam werden. Will man die Bewegungen der Fische „einfrieren“ um sie scharf abzubilden, steigt die Notwendigkeit von immer kürzeren Verschlusszeiten mit der Bewegungsgeschwindigkeit des Motivs. Je geringer die mögliche Verschlusszeit ist, desto besser.

Ein (gutes) Stativ ist natürlich sehr nützlich, hilft es doch Verwacklungen zu eliminieren. Gegen Bewegungsunschärfe kann es jedoch auch nichts ausrichten. Ob man eines benutzen kann, hängt vom Aquarium (Hausordnung) und dem Besucherandrang ab.

Erreicht man die notwendige Verschlusszeit nur durch das Öffnen der Blende nicht, so muss die ISO-Zahl „hochgedreht“ werden. Einfach gesagt, ist die ISO-Zahl bei digitalen Kameras ein Wert dafür, wie stark die auf den Kamerasensor fallenden Lichtsignale durch die Elektronik verstärkt werden. Je größer die Zahl, desto größer die Signalverstärkung.

Das hört sich erst einmal gut an. Zwar erreicht man mit jeder Erhöhung der ISO-Zahl kürzere Verschlusszeiten, jedoch zu dem Preis, dass sich die Bildqualität mit steigenden Werten durch zunehmendes „Rauschen“ immer mehr verschlechtert. Die Bilder verlieren an Details und wirken körniger. Um sich das Fotografieren im Aquarium zu erleichtern, sollte die Kamera auf Auto-ISO eingestellt und sofern man die Möglichkeit hat, der Kamera eine ISO-Obergrenze vorgegeben werden.

Mit den meisten Kameras sind ISO Werte von 12.800 und mehr möglich. Wirklich gute Qualität, bei der sich das Bild- und Farbrauschen in annehmbaren Grenzen hält, erreicht man aber i.d.R. nur bei Werten kleiner ISO 6.400. Deshalb sollte man in den Menüeinstellungen der Kamera dafür sorgen, dass der qualitativ vernünftige ISO-Bereich nicht überschritten wird. Weil dieser Bereich von den individuellen Qualitätsansprüchen und der benutzten Kamera abhängt, muss man hier seine eigenen Erfahrungen sammeln.

Unscharfe Fische als Beispiel für eine zu lange Belichtungszeit.

Mit einer Belichtungszeit von 1/10 Sekunde fotografiert. Eindeutig eine zu lange Belichtungszeit.

Um möglichst natürliche Farben zu bekommen, ist der sog. Weißabgleich zu beachten. In vielen Fällen funktioniert der automatische Weißabgleich moderner Digitalkameras ziemlich gut. Man sollte versuchen, mit Hilfe der Live-View Funktion, die Farben einzuschätzen. Bei zu starken Abweichungen empfiehlt es sich, die unterschiedlichen Voreinstellungen wie Glühlampenlicht, Floureszenslicht oder wenn vorhanden, auch die für Unterwasserfotografie auszuprobieren.

Normalerweise benutzt man eine Graukarte für einen ordentlichen Weißabgleich. Da im Aquarium die Karte jedoch nicht beim Motiv platziert werden kann und man es sehr oft mit Mischlicht zu tun hat, funktioniert das auch nicht so ohne weiteres. Eine Nachbearbeitung am Computer kann hier auch noch Abhilfe schaffen, sofern man eine Kamera verwendet, die Fotos im RAW Format abspeichern kann. Diese Option sollte man nutzen. Zwar kann der Weißabgleich auch bei JPEG Bildern noch verändert werden, die Möglichkeiten sind jedoch, im Vergleich zum RAW Format, deutlich beschränkter.

Um RAW Daten anschauen und bearbeiten zu können, braucht man eine spezielle Software. Diese sog. RAW Konverter Software ist aber normalerweise im Lieferumfang einer Digitalkamera (wenn sie dieses Format nutzen kann) enthalten. Der Umgang damit wird etwas Zeit und Übung kosten. Es ist aber lohnend, sich damit zu beschäftigen.

Kunstlicht kann den automatischen Weißabgleich der Kamera überfordern.

Kunstlicht kann den automatischen Weißabgleich der Kamera überfordern. Hier muss manuell eingegriffen werden.

Teilweise findet man im Internet auch den Tipp, einen Polarisationsfilter zu verwenden. Solche Filter dienen der Reduktion von Spiegelungen. Allerdings funtionieren diese nur in einem bestimmten Winkel zur Lichtquelle. Außerdem schlucken sie Licht (ca. 0,5-1,5 Blendstufen), welches wir normalerweise dringend brauchen. Ein Objektiv mit einer Lichtstärke von f2.8, würde mit  aufgesetztem Polfilter, nur noch soviel Licht wie ein Objektiv einer maximalen Blende von (grob) f3.2 bis f4.5 durch lassen. Das wiederum, treibt entweder die kleinstmögliche Belichtungszeit oder die ISO Zahl in die Höhe.

Spiegelungen vermeidet man am besten dadurch, indem man das Objektiv möglichst nah an das Aquariumglas hält. Eine Streulichtblende sollte (richtig herum) auf dem Objektiv angebracht sein, um die Linse zu schützen. Dadurch werden Reflexionen und seitliches Licht zumindest reduziert.

Als positiven Nebeneffekt hat ein geringer Abstand der Linse zum Glas auch den Vorteil, dass Schmutz und leichtere Kratzer im Glas nicht, bzw. weniger auffällig bildwirksam werden. Das gilt um so mehr, je länger die eingesetzte Brennweite ist.

Das waren die wesentlichen Punkte, die bei der Fotografie im Aquarium zu beachten wären. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass man bei den Aufnahmen auch mal mit der Belichtungskorrektur spielt und evtl. etwas unterbelichtet, um einen besseren Kontrasteindruck zu bekommen.

Kratzer im Aquariumglas.

Hält man die Kamera nicht nah genug an das Aquariumglas, bleiben die Kratzer im Glas gut sichtbar.

Wirklich „knackscharfe“ Bilder wird man nie hinbekommen. Glas und Wasser sind starke optische „Störfakttoren“, die nicht vollständig zu kompensieren sind. Trotzdem sind, mit etwas Erfahrung und Ausdauer, schöne Bilder zu machen.

In diesem Sinne, auf in den nächsten Zoo oder in das nächste Aquarium….

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