Bild zum Thema Zeit - Ein Metronom

Immer dieses „Freistellen“!

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Fotogrundwissen

Von Freistellen wird gesprochen, wenn man das Hauptmotiv in einem Foto scharf abgebildet haben möchte, der Hintergrund jedoch unscharf wirken soll. Freistellen ist also ein gestalterisches Mittel in der Fotografie. Ein sehr beliebtes noch dazu. Um mit fotografischen Mitteln eine Freistellung zu erreichen, muss man sich mit dem Begriff „Schärfentiefe“ befassen. In Wikipedia wird er sehr wissenschaftlich erklärt: „Die Schärfentiefe ist ein Maß für die Ausdehnung des scharfen Bereichs im Objektraum eines abbildenden optischen Systems„. Ich möchte es etwas einfacher halten ;-) . Die sog. Schärfentiefe und damit der mögliche Grad einer Freistellung, ist vor allem von folgenden Parametern abhängig:

  • Der eingestellten Blende,
  • der gewählten Brennweite,
  • dem Abstand der Kamera zum Motiv

Die Stärke der Wirkung wird außerdem noch durch den Abstand des Motivs zum Hintergrund beeinflusst. Allgemein kann man sagen das, je geringer die Schärfentiefe ist, desto größer ist der Freistellungseffekt. Alten Hasen dürfte das längst bekannt sein, als Einsteiger in die Fotografie, sollte man sich diese Zusammenhänge aber einmal klar machen. Diese sind unabhängig von der benutzten Kamera. Lediglich die Stärke der Wirkung, wird sich je nach Kameratyp und Sensorgröße (bei sonst identischen) Parametern unterscheiden. Ich habe vor einiger Zeit einmal ein Bild zum Thema Zeit gemacht und experimentierte ein wenig mit einem Metronom und längerer Belichtungszeit herum. Ein Bildexemplar lud ich in ein Forum hoch. Dabei wurde (unter anderem) die Kritik geäußert, der Hintergrund wäre zu scharf und ich solle ihn unschärfer gestalten. Also das Hauptmotiv (das Metronom) mehr vom Hintergrund „lösen“. Ja! … Das kann man so sehen. Der Einwand ist nicht von der Hand zu weisen. Nur;  …. wie macht man das? Der gewitzte Rat eines Forenteilnehmers lautete „Nimm ein Teleobjektiv und mach die Aufnahme mit einer größeren Brennweite!“. Also gut. Schauen wir uns das das Objekt der Kritik einmal an:

Aufnahme eines Metronoms mit einem Weitwinkelobjektiv

Brennweite 18mm, Blende f4.3

Das Foto wurde mit einer Brennweite von 18mm und einer Blende f/4.3 aufgenommen. Der Abstand zum Motiv betrug ca. 30 cm. Der Hintergrund ist in der Tat recht scharf abgebildet. Um nun dem Rat, eine längere Brennweite zu benutzen nachzukommen, habe ich nicht gekleckert sondern geklotzt und die gleiche Aufnahme mit 150mm statt mit 18mm Brennweite gemacht. Das Ergebnis:

Aufnahme eines Metronoms mit einem Teleobjektiv

Brennweite 150mm, Blende f5.6

Hmm … irgendwie ist der Hintergrund nicht acht mal unschärfer. Es hat sich bei der Unschärfe des Hintergrundes kaum etwas geändert! Diese Aufnahme wurde mit einer Blende f/5.6 gemacht. Das ist bei dem benutzten Objektiv und der gewählten Brennweite, die maximal mögliche Blende. Um in etwa den gleichen Bildausschnitt zu erhalten, musste ich dieses mal jedoch einen Abstand von etwas über zwei Metern einhalten. Eine identische Perspektive wie bei der ersten Aufnahme, war bei dem Abstand natürlich auch nicht mehr möglich. Tja; … also so einfach ist es dann wohl doch nicht. Woran liegt das? Ein ausgefuchster Schärfentiefe-Rechner auf dem iPad brachte die Erklärung: Wenn ich einen Bildausschnitt mit einer Bilddiagonale von 33,90 cm aufnehmen möchte, das entspricht einem Ausschnitt (BreitexHöhe) von 27,10×20,37cm, muss ich bei 18mm Brennweite einen Abstand von 30cm einhalten. Bei einer eingestellten Blende f/4.0 habe ich damit eine Schärfentiefe (DoF) von 2,09cm (f/4.3 kann ich bei dem Rechner nicht auswählen).

Schärfentieferechner, erste Kombination

Schärfentieferechner – Brennweite 18mm, Blende f/4.3

Will ich den gleichen Ausschnitt mit einer größeren Brennweite aufnehmen, in meinem Beispiel mit 150mm, brauche ich einen Abstand von 2,5 m. Was sagt mir der Rechner zu diesen Werten, wenn ich die Blende f/5.6 verwende?

Schärfentieferecher, zweite Kombination

Schärfentieferecher – Brennweite 150mm, Blende f/5.6

Er zeigt mir eine Schärfentiefe von 2,92cm an. Na toll! … Die ist ja noch größer statt kleiner! Das liegt an der kleineren Blende. Schaut man sich den Wert für f/4.0 an, sieht man, dass die Schärfentiefe identisch mit der meines ersten Versuches ist.

Was lehrt uns das ?

Die Dinge sind nicht immer so simpel, wie es manchmal auf den ersten Blick erscheint ;-) ! Einfach nur zum Tele greifen, hilft nicht unbedingt, um sich sein „Traumbokeh“ zu zaubern. Zusammenfassend kann man sagen, die Schärfentiefe ist um so geringer:

  • je größer die gewählte Blende (je kleiner die Blendenzahl) sowie die Brennweite und
  • je näher der Abstand zum Motiv ist.

Lichtstärkere Objektive haben ein größeres Freistellpotential, weil sie mit steigender Lichtstärke eine größere Blendeneinstellungen zulassen. Ein weiteres Mittel eine bessere Freistellung zu bekommen ist, den Abstand des Motivs zum Hintergrund zu vergrößern, soweit das überhaupt möglich ist. Der Haken bei großen Brennweiten ist: Wenn ich eine große Brennweite und einen geringen Abstand zum Motiv wähle, habe ich natürlich einen viel kleineren Bildausschitt als mit einer geringeren Brennweite. Der gewünschte Bildausschnitt spielt demnach auch eine große Rolle. Je größer die gewählte  Brennweite ist, um so kleiner muss das Motiv sein, wenn ich den Abstand nicht verändern will, bzw. er möglichst gering sein soll. Am Ende habe ich eine 19mm Festbrennweite mit Blende f/2.8 benutzt um ein ansprechendes Ergebnis hinzubekommen:

Endergebnis

Fertiges Bild. Brennweite 19mm mit Blende f/2.8.

Durch die bessere Lichtstärke (f/2.8 statt f/4.3) wurde der Hintergrund etwas unschärfer und die Noten lenken weniger vom Hauptmotiv ab.

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