Kreative Fotografie

Kreative Fotografie – wischen, drehen, zoomen

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Allgemein, Bilder

Wir leben in einer Welt in der Kontrolle sehr viel bedeutet. Permanent versuchen die meisten Menschen möglichst viele Fäden in der Hand zu halten und ihre Lebensumstände zu kontrollieren. Eine grundsätzlich kreative Beschäftigung wie die Fotografie hat ebenfalls sehr viel mit Kontrolle zu tun. Um ein handwerklich korrektes Bild zu bekommen, muss man viele Parameter wie Fokus, Belichtungszeit, Bildausschnitt, Lichtsituation und vieles mehr berücksichtigen. Wenn man alles richtig gemacht hat, wird das Ergebnis ein technisch korrektes Foto sein. Auf Dauer kann das zu einer ermüdenden Routine werden.

Eine kreative Mischung aus Kontrolle und „loslassen“

Warum also, fügt man seinem Hobby nicht einfach mal eine kreative Zufallskomponente hinzu? Wissen wir doch im Grunde unseres Herzens, dass Kontrolle eine Illusion ist.

Mit der Zufallskomponente ist die Verlängerung der Belichtungszeit durch einen Graufilter gemeint. Dadurch erhält man die Möglichkeit, die Kamera zu drehen, auf- oder ab zu neigen, zu wackeln oder gar zu zoomen, während der Verschluss geöffnet ist. Das Ergebnis wird nur sehr bedingt vorhersehbar sein aber man erhält Bilder die einen überraschen. OK… es wird viel Ausschuss geben, was einen jedoch nicht entmutigen sollte.

Bei kurzen Belichtungszeiten kann man die Kamera natürlich auch bewegen. Jedoch wird der erreichte Effekt bei einer zu kurzen Verschlusszeit zu gering sein und nur als einfache Unschärfe (Verwackeln) im Bild bemerkbar werden.

Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, welche „Wisch-Zoom-Drehtechnik“ sich für welche Motive am ehesten eignet und wie man Belichtungszeit und Bewegung besser koordiniert. Der Lohn sind kreative Fotos die einen überraschen, die Fantasie anregen und auch neue Sichtweisen vermitteln können.

Was muss man beachten?

Voraussetzung für solche Bilder ist, wie schon erwähnt, die Verlängerung der Belichtungszeit. Tagsüber braucht man dazu im Normalfall einen Graufilter (Neutraldichtefilter). Ein ND 0.9 (8fach) oder ND1.8 (64fach) sollte, je nach Lichtbedingung (bewölkt / Sonnenschein), ausreichend sein. Im Wald oder anderen, eher dunkleren Orten, kommt man oft auch ohne Filter aus.

Die Kameraeinstellung (Blende/Zeit) geschieht manuell oder zumindest mit der Blendenautomatik (Tv/S). Es ist wichtig, dass man bei korrekter Belichtung eine Belichtungszeit erreicht, die einem genug Spielraum zum Bewegen der Kamera lässt. Darum sollte die Verschlusszeit fest vorgeben werden. Ich bin mit ca. einer Sekunde (mal etwas mehr, mal weniger) am ehesten zurecht gekommen. Bei den ersten Versuchen neigt man dazu, die Kamera viel zu schnell oder ruckartig zu bewegen, jedoch stellt sich mit der Zeit ein Gefühl für die richtig Koordination ein.

Bei wechselnden Lichtbedingungen ergibt sich, wegen der vorgegebenen Verschlusszeit, häufig die Schwierigkeit, eine korrekte Belichtung zu erreichen. Sollte sie wegen des eingesetzten Graufilters zu dunkel sein, so kann die ISO Zahl erhöht werden. Ist sie dagegen zu hell, hilft das verringern des ISO Wertes und/oder das schließen der Blende. Das ist natürlich nur in einem gewissen Rahmen möglich. Bei zu starken Belichtungsabweichungen muss auf einen anderen ND-Filter (schwächer/stärker) zurückgegriffen werden. Selbstverständlich kann man eine Über- oder Unterbelichtung auch als kreative Komponente nutzen, aber auch da gibt es Grenzen.

Das Fokussieren kann manuell erfolgen, jedoch funktioniert bei Kameras mit schnellem Autofokus auch die automatische Variante. Allerdings sollte der Autofokus auf Auslösepriorität eingestellt werden, sodass auch ausgelöst wird, wenn der Fokussiervorgang noch nicht ganz abgeschlossen ist. Die „absolute Schärfe“ ist bei dieser Art der Fotografie nachrangig.

Ach so ja… Bei dem ganzen Gewackel und Gedrehe ist ein Bildstabilisator sehr überflüssig. Den sollte man ausschalten.

4 Kommentare

  1. Und ich freue mich, mit euch den Versuch unternommen zu haben. Ich habe zwar in der Vergangenheit sproradisch mal solche Bilder gemacht, jedoch nie in der Intensität wie am vergangenen Samstag. Der Volkspark war auch ein guter Ort für unsere Versuche. Ein gelungener Tag :-)

    Gruß Kai

  2. Wunderbarer Artikel und berührende Bilder. Ich liebe diese Art der Fotografie sehr. Es freut mich, dass ich Euch diese Art der Fotografie zeigen durfte. LG Silke

  3. Hallo Kai, tolle Zusammenfassung der wichtigsten Fakten. Ich hab auch noch was dazugelernt, denn den Trick mit der Auslösepriorität hatte ich nicht bedacht. Der Workshop hat ja auch Lust auf mehr gemacht. Wichtig wird sein den Blick für die geeigneten Motive und den passenden Hintergrund zu schulen. Deine Bilder sind in ihrer Variation eine tolle Ausbeute! Meine Favoriten sind die Flamingos, beide Varianten!!!!!
    liebe Grüße
    Monika

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